Also, die Gründe sind ähnlich wie die, warum er nicht wissen darf, dass wir total auf ihn abfahren. Erst wenn eine lange komplizierte,
romantische Geschichte (doch, sie streiten es ab, aber sie wollen auch eine romantische Geschichte haben- man darf sie aber nicht darauf festnageln. Sie werden es immer aufs
Heftigste abstreiten.) läuft oder gelaufen ist, dann sind sie sich sicher, dass sie das Beste gewählt haben (sie denken ja immernoch, sie hätten uns ausgewählt). Und
dann können sie es sich auch schätzen, dass sie "dürfen".
Ein eindeutiges Indiz dafür ist auch, dass es was ganz anderes ist, mit jemandem eine erste Nacht zu verbringen, wenn man ihn eben
erst kennengelernt hat oder wenn man schon lange mit ihm ausgeht.
Man hat ein unterschiedliches Bild vom Gegenüber. So eine Nacht mit einem relativ Unbekannten ist so unbeschwert, man hat ja nichts zu verlieren, nur zu
gewinnen.
Wenn man schon eine Weile miteinander ausgeht, dann hat man bewiesen, dass man sich gut versteht, man teilt vielleicht schon die eine oder andere witzige
Begebenheit, Geschichte, was auch immer. Man weiß das Eine oder andere über das Gegenüber und das schafft eine zerbrechliche Vertrautheit. Nicht so
wie bei langjährigen Freunden, da sieht es dann wieder anders aus. Es ist eine Vertrautheit, die sich ständig wandelt. Also ist sie sehr
zart und zerbrechlich. Aber sie ist schön, sonst würde man ja nicht miteinander ausgehen. Der einzige Grund, sich mit jemandem zu treffen, ist doch,
weil man sich in seiner Gegenwart wohl fühlt.
Also, wenn man sich dann daran macht, miteinander zu schlafen, dann verändert sich etwas. Dieses Zerbrechliche Band wird entweder gefestigt und die
Vertrautheit erreicht eine neue Stufe oder man merkt, dass man sich in irgend etwas getäuscht hat. Da es sich beim Sex aber um etwas Animalisches handelt, das sich nur schwer
steuern läßt, nicht etwa wie eine Konversation, ist es immer mit einem gewissen Risiko verbunden, und das macht die Sache interessant. Beide gehen das Risiko ein, diese bisher gewonnene
schöne wertvolle Vertrautheit zu verlieren. Sie gehen aber das Risiko ein, um ein höheres Level zu erreichen. Das macht die Sache interessant und erklärt auch, warum nach dieser Nacht dann alles
anders ist.
Wenn man sich aber eben erst kennen lernt, dann gibt es keine oder nur eine kurze gemeinsame Geschichte, also auch nichts zu verlieren, kein Risiko. Im
Vordergrund steht der Spaß an der körperlichen Lust, ganz klar, wir und auch er, haben nach oberflächlichen Kriterien ausgewählt: wir gefallen uns, finden uns anziehend.
Sicherlich gibt es immer wieder Fälle, in denen in so einer allerersten Nacht Geschichte geschrieben wird. Die beiden bekommen neben dem Sex die Gelegenheit, ihre eigene
romantische Geschichte zu verfassen. Meiner Meinung nach wird das aber nur der Fall sein, wenn nicht alles reibungslos klappt. Wenn ganz am Anfang zu perfekter
Sex steht, dann kann der Mann nicht lernen, dass auch anderes mit uns schön sein kann. Denn, wir wissen ja bereits, Männer sind etwas einfacher strukturiert. Wenn es ginge, dann würden
sie Sex ohne Beziehung wählen, weil sie noch nicht gelernt haben, mit den komplizierten Regeln des Beziehungsspiels umzugehen und eigentlich auch gar kein Interesse daran haben. Sie wollen lieber
mit ihresgleichen "abhängen", dann müssen sie sich nicht so viele Gedanken machen. Und wenn man es ihnen anbietet, dann greifen sie zu. Sie verstehen dann nicht, warum wir hinterher
vielleicht doch was Anderes wollen. Schließlich gehen sie davon aus, daß wir das Gleiche wollen wie sie, Spaß, Sex. Sie haben nicht reflektiert, daß Frauen grundsätzlich etwas Anderes wollen
als Männer (gut, es gibt immer wieder Ausnahmen). Und wenn Ihr nur Sex wollt, bitte, dann nehmt Ihn euch, verdient habt ihr euch das Recht allemal. Aber kommt mir nicht hinterher, ich hätte euch
nicht gewarnt. Die Natur, die heimtückische, hat da nämlich bei uns so einen kleinen Widerhaken eingebaut. Bei der einen mehr, bei der anderen weniger. Die Natur weiß nämlich nichts von
Empfängnisverhütung. Sie denkt: Sex gehabt, vielleicht schwanger geworden, - also: festhalten (zumindest bis man Genaueres weiß) Und was wäre ein besseres Mittel, sich zu binden, und
den Anderen nicht aus den Augen zu verlieren ? richtig: verlieben. Ich kenne genügend Mädels, die doch eigentlich nur ein bißchen Spaß haben wollten, und am nächsten Morgen plötzlich total
verliebt aufgewacht sind. Da die Jungs nicht über diesen Mechanismus verfügen, kann man dann manchmal ganz schön alt aussehn Drum prüfe, wer sich bindet, bekommt da eine ganz neue Bedeutung..